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Leserbrief zum Zeitungsartikel bzgl. Schulhaus

14.11.2019

Ausführlicher Leserbrief zum Artikel „Ehegrundschüler rücken näher zusammen“ in der FLZ vom 7. 11. 19

 

Einspruch, Herr Bürgermeister!

Man habe sich „intern arrangiert“? Das ist ein fein formulierter Ausdruck dafür, dass wir als Lehrerinnen vor vollendete Tatsachen gestellt werden und wurden. Natürlich müssen wir alles, was vom Gemeinderat hinsichtlich unseres Schulgebäudes beschlossen wird, hinnehmen. Eine Stimme haben wir dabei nicht. Zum Beispiel hat die Schule nicht nur zwei große Klassenzimmer an den Hort abgegeben, sondern auch zwei Gruppenräume, die sehr oft genutzt wurden (einer davon war außer Gruppenraum auch das feste Klassenzimmer der Lehrerin für katholische Religion).

Dass im Computerraum und im Musikraum „nur vereinzelt Unterricht abgehalten wurde“ ist verständlich: Mindestens 2 Musik-Unterrichtsstunden pro Klasse und Woche, der PC-Unterricht ist epochal und projektbezogen, manchmal täglich, dann wieder eine längere Pause. Dass man deshalb die Räume zusammenlegt erscheint nur einem Laien logisch. Der Raum steht nun voll mit Tischen, Stühlen, Klavier, Musikschrank, Sofas/Leseecke und raumgreifenden PC-Plätzen (wegen fehlender mobiler tablets, die in den Klassenzimmern einsatzfähig wären). In diesem Raum nun aktiven Musikunterricht durchzuführen ist fast nicht möglich. Schon allein deshalb, weil direkt daneben eine erste Klasse ihr Zimmer hat, die durch eine 45-Minutenstunde mit Singen, Orffinstrumenten und Klavier erheblich gestört würde. Natürlich haben wir uns „arrangiert“! Wir weichen mit den Instrumenten in die Turnhalle aus, sofern diese frei ist, oder wir versuchen, den Musikunterricht nach Unterrichtsschluss der ersten Klasse zu legen oder „leise zu singen“! Alles GANZ EINFACH, Herr Bürgermeister!

Nun kommt eine weitere angedachte Sparmaßnahme ins Spiel. Herr Klein kommt auf die Idee, auch der Lehrerin für Werken und Gestalten einen Raum abzunehmen und zu einem Klassenzimmer umzufunktionieren.  Auch das erscheint nur jemandem logisch, der die Unterrichtsinhalte in diesem Fach nur grob überdenkt. Das Fach „Werken“ bezieht sich auf Holz, Metall und Ton. Hier werden robuste Tische mit Schraubzwingen gebraucht, die das Arbeiten mit Ton und anderem „schmutzigem“ Material ermöglichen (auch Tapetenkleister,…) Dagegen braucht man beim „Gestalten“ mit Textilien, Wolle und Papier etc. saubere, höhenangepasste Tische und Stühle. Ganz abgesehen davon, dass gerade in diesem Fach sehr viel Stauraum benötigt wird, der nun in den letzten Jahren endlich durch neue Schränke geschaffen wurde.  

Der Werkraum wurde beim Wegfall der Teilhauptschule nur durch zwei Maßnahmen „modernisiert“ und der Größe der Grundschüler angepasst: Die Oberflächen der Tische wurden abgeschliffen und lackiert, die Beine abgesägt. Ansonsten ist vieles vom festen Inventar gut 40 Jahre alt, z.B. der sehr laute Boden im Werkraum. Zudem kann es durchaus sein, dass nächstes Jahr wieder zwei Lehrerinnen für dieses Fach vom Schulamt eingeteilt werden.

Warum ist ein An- oder Neubau „planerisch nicht einfach umzusetzen?“ Dafür gibt es Fachleute. Das war beim Hort kein Problem, einschließlich des umfangreichen Außengeländes – innerhalb eines halben Jahres. Kosten entstehen, das ist wahr. Aber bisher wurde am Schulhaus eigentlich immer nur das Notwendigste repariert, nie zukunftsorientiert saniert.

Beispiele: Das Flachdach der Turnhalle (mehrere Male),

Deckenplatten in Gängen und Klassenzimmern (inzwischen über 10),

der Turnhallenboden (nun zum wiederholten Male notdürftig geflickt und begradigt, obwohl Fachleute mit Kopfschütteln reagieren, wenn man erzählt, dass der Boden so alt ist wie die Schule),

die 50-m-Bahn (noch nie erneuert),

die Fensterrahmen, (noch nie erneuert, bei Starkregen entstehen Pfützen in einem Klassenzimmer, die Fensterbretter sind deshalb auch nicht zu belegen),

die Böden der Klassenzimmer (teilweise mit erstaunlichen Unebenheiten und Rissen),

die Weitsprunganlage (Absprungbrett längst unbenützbar, Sand sehr alt),

die uralten Handkurbeln der Jalousien auf der Süd/Westseite lassen sich kaum noch bewegen…

 

Dass der „Schulbetrieb läuft“, wie der letzte Satz des Zeitungsartikels lautet, das ist dem Improvisationstalent und der erzwungenen Geduld der Lehrerinnen und des Hausmeisterehepaares zu verdanken, - bestimmt nicht dem gut funktionierenden Schulgebäude und seinem in die Jahre gekommenen Inventar.

 

 

(Ulrike Vogel, mit Zustimmung des Kollegiums)

 

 

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